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Deutschlandfunk Köln, Redaktion: Büchermarkt
LITERATUR IN INDIEN |
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Wenn man im Flughafen von Kalkutta, in der Abflugshalle, seinen Blick
schweifen läßt, fällt an zentraler Stelle die Büste von Rabindranath Thakur
auf - in Deutschland besser bekannt als Rabrindranath Tagore. An den
Seitenwände der Abflugshalle - zwar auf gleicher Höhe wie die von Tagore,
aber eben nicht an zentraler Stelle - hängen ebenfalls Büsten: links die von
Subash Chandra Bose - umstrittener, aber von den Bengalen fast durchwegs
geliebter Freiheitskämpfer - und auf der rechten Seite: die Büste Mahatma
Gandhis.
Aber der Dichter steht dieser Anordnung zufolge über den Politkern - und
nicht nur dieser Anordnung zufolge. In ganz Indien sind die Bengalen (mit
ihrer Hauptstadt Kalkutta) als besonders belesen und künstlersich begabt
bekannt. In den Schulen steht auch heute noch Gedichtrezitation samt
entsprechendem Wettbewerb auf dem Stundenplan. Außerdem heißt es, daß die
Leute, welche in dem weitläufigen Regierungsgebäude im Herzen der Stadt
sitzen, von dort aus womöglich mehr ihren literarischen Ambitionen folgten,
als daß sie regierten. Aber nicht nur in der Stadt, sondern auch im
ländlichen Bengalen gab und gibt es vielfältige literarische Anstrengungen,
die in diesem feuchtheißen Klima bereits viele Früchte trugen. Was für
Früchte sind das heutzutage? Ich befragte dazu AMITABHA CHOWDHURY, den
Herausgeber von DESH (und DESH heißt “Land³), des ältesten, seit 67 Jahren
vierzehntägig erscheinenden Literaturmagazins Kalkuttas:
“Zu den Leuten, die fest für uns arbeiten, gehören sehr bekannte, etablierte
Autoren. Einer ist SUNIL GANGOPADHYAY. Er ist wohl der populärste, der sich
am besten verkauft, ein Romanschriftsteller und Dichter. Ein zweiter, aber er
wird vergleichsweise ebenso hoch gehandelt, ist SIRSHENDU MUHKHOPADHHYAY. Wir
haben JOY GOSWAMI - er ist viel jünger - und natürlich noch viele andere. Sie
gehören alle auch zu unserer Belegschaft. Aber hauptsächlich enthält jedes
Magazin Artikel, Kurzgeschichten, Romane. Wir bringen zwei Fortsetzungsromane
in Serie, außerdem haben wir in jeder Ausgabe zwei Kurzgeschichten. Für diese
Beiträge sind wir von anderen Autoren in Bengalen abhängig. Ich möchte
hinzufügen, das ist nicht sehr bescheiden, aber die Wahrheit, dass jemand
bevor er nicht durch die Pforten von DESH gegangen ist - bevor DESH einen
Autor nicht anerkannt hat - hat er keine Zukunft als bengalischer
Schriftsteller. Man muß dieses Zertifikat haben, in DESH veröffentlicht
worden zu sein."
Und wie sieht das bei der Lyrik aus?
³Obwohl es stimmt, dass Bengalen eine Kultur von kleinen Lyrikzeitschriften
hat, hunderte von ihnen - beinahe jeder Distrikt hat eine, beinahe jeder
kleine Club unterhält eine, es gibt hunderte von Lyrikzeitschriften -... also
unter den Lyrikmagazinen ist DESH das mit dem größten Prestigewert und wohl
auch das außergewöhnlichste. Aber es ist nicht einmalig. Aber was den Bereich
der Prosa angeht, Romane, Kurzgeschichten, Stücke, ich denke, da haben wir
eine einmalige Position, niemand anderes kann diese Position ausfüllen, weder
in Bengalen noch sonst irgendwo in Indien."
Heißt das, diese Wichtigkeit hat DESH nicht nur für die bengalischen
Schriftsteller, sondern auch für die anderen Schriftsteller Indiens?
“Nein, ich befürchte, das war etwas verwirrend: nein, wir publizieren nichts,
das im Original in einer anderen indischen Sprache, zum Beispiel in Hindi
oder Tamil geschrieben ist, wir publizieren ausschließlich in Bengali. Aber
ich meinte damit, dass die Rolle, die wir für die benglische Literatur
spielen, als ein Magazin, dass diese Rolle einmalig ist, dass meines Wissens
kein anderes Magazin in einer anderen indischen Sprache dieselbe Rolle oder
dieselbe Position hat."
Und wenn Sie die literarische Produktion Gesamt-Indiens mit der Bengalens
vergleichen, sticht da Bengalen immer noch besonders hervor?
Bengalen hatte, und die bengalischen Schriftsteller hatten, eine sehr
hervorgehobene Stellung in Indien. Von der Mitte des 19. bis zur Mitte dieses
Jahrhunderts, also für rund 100 Jahre, dominierten die bengalischen Autoren
die gesamte indische literarische Szene. Besonders was Romane und Gedichte
angeht. Das kam deshalb, weil Bengalen zwischen 1880 und 1940, also während
ungefähr 50, 60 Jahren - Bengalen hatte geradezu einen Ausbruch großer
Begabungen - in Romanen,Kurzgeschichten und Gedichten. Angeführt von, wohl
bekannt in der ganzen Welt, TAGORE, dem 1913 der Nobelpreis verliehen wurde.
Aber in Bengalen war er schon 1880, 1890 ein bekannter Schriftsteller. Etwas
später und neben TAGORE war der berühmteste Romanschriftsteller SARAT CHANDRA
CHATTOPADHYAY. Bengalen brachte in jedem Jarhzehnt, über beinahe fünf bis
sechs Jahrzehnte hinweg, kontinuierlich, in jeder Dekade, den Ideen und
Standards von TAGORE und SARAT CHANDRA CHATTO-PADHYAY folgend, ungefähr ein
halbes Dutzend bis zu einem Dutzend großer Namen hervor. Das erweckte in ganz
Indien den Eindruck, daß die Bengalen intellektuell und künstlerisch sehr
begabt sind."
Und wie sieht das heute aus?
³Das ist der Grund, wieso ich die ganze Zeit im Imperfekt sprach: ich glaube
nicht, dass wir diese besondere Position in Indien noch haben. Ich möchte
gerne zugeben, dass, was die Produktion von Romanen angeht - obwohl wir eine
hervorragende Stellung haben -in einigen südindischen Sprachen man heutzutage
auch sehr talentierte Autoren findet. Es wäre sehr ungerecht, Äpfel mit
Orangen zu vergleichen, aber ich würde sagen, was Romane und Lyrik angeht,
sind die Talente heute in diesen Bundesstaaten Indiens - und in Maharastra
was dramatische Stücke betrifft ....Da hat es Maharastra mit uns aufgenommen.
Also ehrlicherweise muss ich sagen, dass wir diese hervorgehobene Rolle nicht
mehr haben, diese erste Position. Wir sind in einigen Bereichen immer noch
die Numer Eins, in einigen sind wir nicht mehr die Nummer Eins, da sind wir
in einem Packen zusammen mit den Einsen."
Zu diesem Punkt befragte ich auch Aveek Sarkar, den Chef-Herausgeber von
ANANDA PUBLISHERS, der größten Publikationsgruppe Kalkuttas. Auch DESH, das
Literaturmagazin, ist, zusammen mit etlichen englischen und bengalischen
Tageszeitungen eine Publikation von ANANDA PUBLISHERS. Aveek Sarkar, ein
stattlicher Endfünfziger im weißem, fünf Meter langem Dhoti mit
entsprechendem Faltenwurf um die Hüften, dazu das lange, kragenlose Hemd,
zeichnet ein noch viel düstereres Bild:
“Nach Aveek Sarkar gibt es sie gar nicht mehr - die ernstzunehmende Literatur
Bengalens. Er beklagt das soziale oder auch politische Engagement vieler
Autoren Kalkuttas und scheint vorrangig ein Bewunderer westlicher Literatur
zu sein. An erster Stelle nennt er Thomas Manns “Zauberberg³, im weiteren den
französischen “Nouveau Roman³, Claude Simone, Margarete Duras, aber auch
Patrick Süßkind und auch die meisten der südamerikanischen Schriftsteller.
“Ich denke, dass niemand, der in Englisch schreibt, ein guter Autor ist: man
kann keine gute Literatur in Englisch schreiben."
Wahrlich ein erstaunliches Statement für den Herausgeber der Herausgeber
bengalischer und auch englischer Literatur. ANANDA PUBLISHERS publiziert
nicht nur Tageszeitungen und Zeitschriften und auch Bücher in Bengali,
sondern ist in Assoziation mit PINGUIN, Grossbritannien, der wichtigste
Herausgeber von bengalischen Autoren, deren Bücher ins Englische übersetzt
wurden. Der letzte Satz von Aveek Sarkar, der auch nach mehrmaligem
Nachfragen keine weitere Verdeutlichung erfuhr, mag vielleicht ein Trost für
die bengalisch schreibenden Autoren sein, die spätestens jetzt zu Wort kommen
sollen.
Ich sprach mit SUNIL GANGOPADHYAY, dem hochgelobten Romanschriftsteller und
Dichter, in seiner Wohnung im neunten Stock, im Süden Kalkuttas. Sunil
Gangopadhyay, geboren 1934 im heutigen Bangladesh, konnte auf Anhieb nicht
sagen, wieviele Bücher er schon publiziert hat, meinte dann aber, es mögen
etwa 200 sein; er räumte ein, daß es überwiegend schmale Bände seien, nur
zwei, drei Bücher seien richtig dick. Obwohl die Publizisten auch in Kalkutta
einen Rückgang ihrer Leserschaft beklagen, zeigt der enorme kreative Ausstoß
- es gibt jedes Jahr zwei Höhepunkte: im Herbst zur Durga-Puja und im Januar
zur Buchmesse - daß Kalkutta kulturell eine hochaktive Stadt ist und nicht
nur als der Welt Sozialstation interessant ist. In seinen ersten Romanen
thematisierte Sunil Gangopadhyay insbesondere die Teilung Bengalens zum
Zeitpunkt der indischen Unabhängigkeit - in Westbengalen/Indien und
Ostbengalen /Pakistan mit den bekannten, zum Teil verheerenden Folgen für die
Bevölkerung. Später schrieb er dann auch über den zweiten Flüchtlingsstrom
der 1971 aus Ostbengalen kam, als aus Ostpakistan Bangladesh als unabhängiger
Staat hervorging:
“Ja, Sie haben recht, wenn Sie sagen, daß ich in vielen meiner Werke geradezu
besessen war von der Teilung Bengalens. Weil ich ein Leidtragender bin, ich
habe es gesehen, ich habe es in meinem eigenen Leben erfahren, das sind die
Gründe. Außerdem habe ich eine Vorliebe für historische Romane. Ich studierte
die Geschichte des 19. Jahrhunderts Bengalens und Indiens, auch die
Weltgeschichte des 19. Jahrhunderts. Ich schrieb also einen Roman mit dem
Titel “Purbo Poshchim³, also “Ost-West³, das meint Bengalen, Ost und West,
aber auch “Östliche Hemisphere und westliche Hemisphere³ - und auch in jedem
Kopf, in jedem menschlichen Individuum gibt es Ost und West, gibt es Aufstieg
und Fall."
Zu den ersten Namen unter den zeitgenössischen Dichtern Bengalens zählen
SHAKTI CHATTOPADHYAY und JOY GOSWAMI. Shakti Chattopadhyay gehörte derselben
Generation an wie Sunil Gangopadhyay, ist jedoch bereits vor wenigen Jahren
verstorben. JOY GOSWAMI, ein zartgliedriger Mann Anfang 40, traf ich an einem
Samstagmorgen. Hier ist nun die Gelegenheit ein Stück bengalischer Literatur
live zu hören:
Wo sind deineTränen?
Im Mondloch.
Im Mond, das ist ein tote Insel, dort gibt es doch kein Wasser -
Was ist dann Wasser für dich?
Es ist meine Tochter, ich bin ihr Dunst und ihr Eis.
Warum wächst denn Erde aus deinen Augen?
Meine Eltern waren Füchse und lebten in einem Erdloch, beide wurden von
Menschen totgebissen.
Und davor?
Davor waren beide Robben unter dem Eis, die Eskimos gewannen Öl aus ihrem
Fett, und meine Schwester war die Öllampe in allen Iglus, ihre jungfräuliche,
brennende Brust gab ihnen Hitze, die ganze Nacht, gab ihnen Kraft.
Gab sie kein Brennholz?
Nein, sie kamen alle für Brennholz zu mir, nahmen all meine Knochen.
Wo sind deine Knochen?
Jetzt auf dem Scheiterhaufen.
Können sie denn den Druck der heißen Luft ertragen?
Sie können.
Dann - wer ist dann die Luft für dich?
Sie ist meine Lunge, die jetzt zu Asche geworden ist.
Und deine Füße?
Die Kohlen in den Minen unten, meine Hände sind die Bäume, und meine Augen
der mäandernde Fluß weit weg. Und ich? Wer bin ich dann für dich?
Feuer, noch immer bist du mein Kind. Du bist jede Nacht am Horizont mein
Sohn, meine Tochter und mein Nabel - immer noch der dichteste Stoff, und wenn
du es auch hundert Mal versuchst, er brennt nicht.
JOY GOSWAMI endet hier nicht einfach mit einem beeindruckenden Bild, sondern
es ist tatsächlich so, daß der Nabel bei der Leichenverbrennung der Teil des
Körpers ist, der nicht zu Asche wird und dem danach noch weitere Rituale
gelten.
Nun zu den Autorinnen:Zu ihnen gehört die mittlerweile international bekannte
TASLIMA NASRIN aus Bangladesh, die nach Erscheinen ihres Romans “Lodja³ -
“Scham³ , Bangladesh wegen Morddrohungen verlassen mußte. Sie lebt heute in
Paris. In Kalkutta ist sie eine gefeierte Autorin. Besonders ihr neues Buch,
in Kalkutta verlegt, mit dem Titel “Amar Meyer Bela³, “Meine Mädchenkindheit³
und gerade erst erschienen, wird als autobiographischer Roman sehr gelobt.
NABANITA DEV SEN ist eine andere Schriftstellerin, eine andere Generation,
geb. 1938 mit einer ganz erstaunlichen Biographie. Sie war während 15 Jahren
mit dem heute in Amerika lebenden Nobelpreisträger für Ökonomie, Amarty Sen,
verheiratet. In ihren jungen Jahren hatte Nabanita überwiegend Lyrik
geschrieben. NABANITA DEV SEN:
“Ich bin viel zwischen Amerika und England hin- und hergereist. Weil er viel
hin- und hergereist ist. Und auch ich habe an verschiedenen Universitäten
gelehrt: Harvard, Cambridge, Berkeley. Wissen Sie, als meine Ehe in die
Brüche ging, kehrte ich mit zwei Kindern nach Kalkutta zurück. Aus England.
Und da gab es dann eine Veränderung in meinem Schreiben, im Genre, weil ich
sah, daß meine Gedichte sehr bekennend wurden. Meine Gedichte gaben dem
Schmerz und der Belastung nach. Und die Leute stellten Fragen. Ich mochte das
nicht. Und ich begann zu schreiben: Kurzgeschichten, humorvolle
Kurzgeschichten, lustige Geschichten, die die Leute zum Lachen bringen. Das
brachte auf der Stelle einen Ausgleich. In diesen Geschichten ging es immer
um Frauen: eine Familie von Frauen, drei Generationen von Frauen, alles
alleinstehende Frauen: meine verwittwete Mutter, ich geschieden und zwei
kleine, heranwachsende Mädchen, Schulmädchen. Es war ein lustiger Haushalt.
Alles Frauen und was da passierte - und viele, viele Haustiere: viele Hunde
und Katzen und Vögel, und jedes jagte dem anderen nach. Damals begann ich
also mit der Prosa. Und ich reiste viel. Ich liebe es zu reisen und ich
schrieb darüber. Denn das waren besondere Reisen. Ich nahm beispielsweise an
einer Konferenz teil und fuhr dann von dort aus irgendwo hin, ungeplant,
wissen Sie. Zum Beispiel trampte ich mit einem russischen Laster zur
tibetischen Grenze."
Nabanita war damals etwa 37 Jahre alt. Ihr Wagemut war mehr als nur
unkonventionell. Sie bewegte sich bei dieser Reise praktisch auf
militärischem Sperrgebiet. Und das in aller Unschuld - so wie sie es
beschreibt.Eine andere Art Abenteuer, für sie selbst jedenfalls eine große
Überraschung, beschrieb mir die jüngste Autorin, die ich traf. Sie erhielt
1999 für ihren ersten Gedichtband bereits einen renomierten Preis:
Mandakranta Sen, 27 Jahre alt. Sie kam zum Interview nicht im Sari, sondern
in Jeans und Baumwollhemd und las mir, wenn auch mit kindlich wirkender
Stimme, ein provokatives Gedicht vor: alle dachten, er sei der gute Freund
der Familie, ein netter Onkel für das Mädchen, aber das hat ihn sich zum
Liebhaber erkoren. Am Ende des Gedichts schreit es dieses Geheimnis vom
höchsten Turm. Mandakranta hatte diesen Herbst allen Grund, sich über ihren
Erfolg zu freuen. Eigentlich auch KANKABATI DATTA, eine der bekanntesten
jungen Prosaschriftstellerinen. Sie ist Anfang 30 und hat bereits mehrere
Romane veröffentlicht. Aber sie will mehr:
“Eines ist der soziale Aspekt Westbengalens, mit seinen Genealogien, seiner
Geschichte und seiner gegenwärtigen ökonomischen Krise und den Gründen, die
zu dieser Krise führten. Und ein anderes Thema, welches die Rückseite des
ersten ist, ist die Universalität oder die Bedeutung, oder eher die
Bedeutungslosigkeit, dieses ganzen Lebensprozesses und was Leben überhaupt
ist. Wie sind wir als menschliche Wesen in unserem Bemühen etwas über die
Bedeutung des Lebens zu erfahren."
Mehrere Familienmitglieder Kankabatis leben in Amerika, und auch sie selbst
verbrachte große Teile ihrer Kindheit dort . Sie erzählte, wie sie damals auf
dem Schoß von Allan Ginsberg saß, der ein Freund ihrer Familie war. Trotz
dieser bereits gewachsenen Beziehung zur englischen bzw. amerikanischen
Sprache, schreibt Kankabati Datta überwiegend in Bengali:
“Bis jetzt ist meine Basis Bengali, da meine Karriere als Schriftstellerin in
Bengali begann. Der Grund, wieso ich in Bengali schreibe, ist ein Rat meines
Großvaters, (Buddhadev Basu), der auch ein berühmter Literat war. Er sagte,
daß nur eine Person mit wenig Vertrauen in die eigene Kultur, Zuflucht zu
einer anderen Sprache nimmt."
Kankabati hat jedoch in jüngster Zeit verstärkt Kurzgeschichten in Englisch
geschrieben, um vielleicht auch international einen Durchbruch zu schaffen.
Bekanntestes Beispiel für diese Möglichkeit ist Arundhati Roy, übrigens auch
ein bengalischer Name. Aber sie ist in Südindien aufgewachsen, und sie
schreibt ausschließlich in englisch. Die bengalische Literatur ist natürlich
nicht allein mit dem Manko der regionalen Begrenzheit. Die anderen 15, in der
indischen Verfassung verankerten Sprachen, haben das gleiche Problem. Was
Bengali, neben der Tatsache daß sie einen Literaturnobelpreisträger
hervorbrachte, doch daraus hervorhebt, ist der Umstand, daß sie der Erde
fünfthäufigste Sprache ist und daß genausoviele Bengalen im Ausland leben -
weltweit verstreut - wie in ihrer indischen Heimat. Und nun noch einen
abschließenden Blick in die westliche Welt:
Der “New Yorker³ veröffentlichte diesen Herbst eine Liste von 20
englischschreibenden Schriftstellern und Schriftstellerinnen, von denen zu
erwarten sei, daß sie größten Einfluß im kommenden 21. Jahrhundert haben
werden. Diese Liste konzentrierte sich jedoch nur auf die amerikanische
Szene. Als Antwort darauf publizierte die literararische Edition des
“Observer³ in London eine weitere Liste mit 21 englischschreibender Autoren
weltweit. Unter diesen insgesamt 41 Autoren finden sich 4 indische Namen.
Alle vier sind bengalisch, stammen also, sie selbst oder ihre Vorfahren, aus
jenem Land im Osten Indiens, dem Land mit dem feuchtheißen Klima, mit einer
gewissen poetischen Intensität, die sich wohl selbst in gemäßigteren
Breitengraden nicht abkühlt.
Zu diesen vier gehört auch eine junge Frau, Jhumpa Lahiri, deren erstes Buch
mit Kurzgeschichten, in welchem sie mit Leichtigkeit indische und
amerikanische Kultur sprechen läßt, auch mit einander sprechen läßt,
internationale Beachtung fand. Wer neugierig ist auf ihr Buch “Interpreter of
Maladies³ oder auch auf aktuelle indische Literatur, die aus ganz
unterschiedlichen Ecken der Erde kommt, dem sei das Internet empfohlen. Dort
kann man zum einen das Buch von Jhumpa Lahiri oder auch die Bücher anderer
indischer Autoren bestellen, oder man kann unter monsoonmag ein erstes
indisches Literaturmagazin begutachten.
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