Westdeutsche Zeitung 14.01.03

 
Poetensitz und
hohe Berge

Portrait der Schriftstellerin Regina Ray

Von Wulf Noll

Regina Ray

aber auch in ihrem neuen Manuskript "Animus trifft Kanchenjunga". Der Kanchenjunga, der "wie eine Spiegelung der Wolken aussieht", ist einer der höchsten Himalaya-Berge im Grenzgebiet zwischen Indien und Nepal. Regina Ray liebt die weiten Reisen, seit 1989 sind es jährliche Aufenthalte und Recherchen in Indien. Die Autorin spricht Bengali und übernahm 1998 für das Goethe Institut in Kalkutta die literarische Begleitung des Projekts "Stories" im ländlichen Süden Bengalens. Für die große Düsseldorfer Ausstellung "Altäre - Kunst zum Niederknien" holte sie 2001 einen Anga-Deo-Altar aus dem Stammesgebiet der Muria an den Rhein. Der Sender "DeutschlandRadio Berlin" (über UKW 106 Megaherz zu empfangen) bringt am 19. Januar von 9.05 bis 10 Uhr Regina Rays Feature "Dschungelblüten. Die Jugendzentren der Muria in Zentralindien". Wer mehr über die Autorin in Erfahrung bringen und Texte nachlesen möchte, kann das auch im Internet unter www.reginaray.de tun.

Fotografien, Statuen und Drucke schmücken den Raum, in dem Regina Ray den Besucher bei einer Tasse Darjeeling-Tee in der Krahestraße empfängt. Auf dem Tisch liegt ein beschlagenes Messinghorn, das die Funktion hat, die Muria zusammenzurufen. Auch das Oberteil eines Tanz-stockes ist zu sehen, mit dem die Schriftstellerin zur Demonstration die tänzerischen Bewegungen der Muria-Frauen nachahmt. 1988 zog Regina Ray nach Düsseldorf. Die 1955 im baden-württembergischen Bretten-Ruit geborene Autorin hatte zu diesem Zeitpunkt ein Lehramtsstudium für Grund- und Hauptschule, ein drei-jähriges Indologie- und Ethnologiestudium und eine Ausbildung als Sprech- und Stimm-lehrerin hinter sich. In Düsseldorf fand sie ihren ersten Arbeitsplatz und unterrichtet hier heute noch Erzieherinnen, Lehrer, Schauspieler und Autoren im Bereich des artikulierten Sprechens. Im Arbeitszimmer steht der "Poetensitz", ein schönes, im Stil der italienischen Renaissance nachgebautes Möbelstück, das 1998 für sie von der Edition Passagen in Heidelberg als Preis für ihren Text "Geschwindigkeitsrausch" ausgelobt wurde. 1982 erschien ihr erster Lyrikband "Wolkenlandschaften". Seitdem schreibt Regina Ray vor allem Lyrik, Prosa, Features und Kunstkatalogtexte. Düsseldorf liebt die Autorin, die 2002 das Amsterdam Stipendium des Kulturamtes erhielt, wegen des Rheins und der Rheinuferpromenade. Von 1995 bis 1998 war sie Mitherausgeberin der Kunst- und Literaturzeitschrift "Maul-trommel" sowie Mitinitiatorin einer Veranstaltungsreihe, zu der auch Slam-Poetry gehörte. 1998 erschien ihr bislang wichtigstes Buch "Körpertexte". Für die Welt der Sinne findet sie hier eine "körpereigene" Sprache, ohne dass sie künstliche Grenzen zwischen den Geschlechtern zieht.

Dokumentarisch oder experimentell

Rays Prosatexte sind knapp und bündig, zuweilen dokumentarisch, zuweilen experimentell angelegt. Berge als Höhen- und Grenzerfahrung gehören ebenfalls zu den von ihr bevorzugten Themen, so schon in "Der Berg und ich" (1987),
Westdeutsche Zeitung 24.08.09  |  Rheinische Post 16.04.03
Rheinische Post 28.06.01
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